Katzenjammer

Katzenjammer

Die ersten fünf Monatshefte meines zweijährigen Fernlehrgangs schaffte ich jeweils in durchschnittlich drei Wochen. Yuppie! Mein Ziel war es, den Lehrgang trotz zweimonatiger Australienpause rechtzeitig zu beenden. Dann stockte es. Die endlosen Schulferien, die immer wieder dazwischen kamen, zerfetzten meinen Zeitplan. In den fünf Wochen Sommerferien kam ich zu absolut nichts, außer überall herum zu reisen. Kaum hatte ich mich Mitte August in meinem Lern- und Schreibrhythmus wieder eingefunden, folgten Schlag auf Schlag je zwei Wochen Herbst-, Weihnachts- und Winterferien….

Weiterlesen Weiterlesen

Ein Prinz, der Armut wählte

Ein Prinz, der Armut wählte

In einem fernen Königreich lebte einmal ein sehr junger Prinz. Er hatte die kostbarsten Gewänder, den edelsten Schmuck und die schönsten Spielsachen, die es je auf der Welt gegeben hatte. Seine Mutter, die Königin, liebte ihn über alles und verwöhnte ihn. Eines Tages wurde die Königin sehr krank. Die besten Heiler des Königreichs wussten keinen Rat. Der Prinz wollte nicht, dass seine Mutter starb, denn dann würde ihn niemand mehr lieben. Er betete, dass seine Mutter wieder gesund werden möge,…

Weiterlesen Weiterlesen

Nenn mich nicht Schatz!

Nenn mich nicht Schatz!

«Nur Salat? Seit wann bist du auf dem Gesundheitstrip?» «Ich habe einfach keinen Hunger.» «Aha.» Philipp bestellte für sich ein Mittagsmenü und tippte weiter auf seinem Smartphone herum. «Ich muss heute länger in der Kanzlei bleiben», sagte er beiläufig. «Wir haben ein vielversprechendes Mandat bekommen und Vater möchte, dass ich mich da einarbeite.» Er blickte kurz auf. «Aber wir wollten doch zusammen kochen.» Tamara spielte mit der Gabel. Ihre langen, apfelgrün lackierten Fingernägel glitzerten im frühlingshaft zarten Sonnenlicht, das hier…

Weiterlesen Weiterlesen

Aus einem fremden Tagebuch

Aus einem fremden Tagebuch

Wieder fast drei Uhr geworden. Früher ins Bett gehen klappt immer noch nicht, wozu auch? Die Dienstags-Talk Show war Schrott. Keine spannenden Themen mehr, immer nur dieser moderne Mist. „Mein Mann will sich zur Frau umwandeln lassen“, wen interessiert’s? Da sitzt eine im Studio und weint sich die Augen aus. Tja, die hätte sich einfach besser um ihren Mann kümmern sollen. Sieht selbst aus wie ein Mann. Alles reine Zeitverschwendung. Die süße Sprecherin der späten Nachrichten ist weg, schade. Ein…

Weiterlesen Weiterlesen

Welcher Ordnungstyp bin ich?

Welcher Ordnungstyp bin ich?

Vorwort Bei einer Übung im Grundkurs sollte man seinen Platz in der Ordnungslandschaft der Schreibwelt finden, irgendwo zwischen dem intuitiven Drauflos-Schreiber und dem systematischen Ordnungsfanatiker. Folgende Selbstbekenntnis ist mir dabei aus der Feder geflossen. Welcher Ordnungstyp bin ich? Wer bekennt sich schon freiwillig als Kleingeist, der krampfhaft (an) Ordnung hält? Ich wäre gern anders, aber um das Chaos zu überblicken, fehlt mir das Geniale. Ordnung und Planung beherrschen alles, was ich tue, vom Einräumen der Spülmaschine bis zum Vorbereiten eines…

Weiterlesen Weiterlesen

Die verlassene Stadt

Die verlassene Stadt

Vorwort Eins der Lernthemen im Grundkurs war Interpunktion und wie man sie gezielt einsetzen soll. Hier ist der kleine Text, den ich als Übung zu diesem Thema schrieb.   Die Stadt war vollkommen. Es war eine Neubaustadt aus einem Werbeprospekt: breite Straßen strebten zum Fluchtpunkt, Bänke säumten sie wie Ehrengarde, Hochhäuser bildeten wohlgeordnete Muster. Es war ein Geometrietraum, eine Symphonie aus Winkeln und Kurven. Nichts störte die Vollkommenheit. Keine Autos düsten auf sorgfältig markierten Fahrspuren. Keine Passanten huschten über Bürgersteige….

Weiterlesen Weiterlesen

Eine Dezembergeschichte

Eine Dezembergeschichte

«Du hast es gut, Mama», sagte mein Sohn. «Du kannst zu Hause bleiben, in der Wärme, und ich muss raus in die Kälte.» Er mimte ein Frösteln und machte ein leidendes Gesicht. Dann lachte er, nahm sein Fahrrad und verschwand im dunkeln Dezembermorgen. Aus der Diele hinaus warf ich einen Blick auf die mit Raureif bedeckte Rasenfläche vor dem Haus und die angeweißelten Dächer der Nachbarshäuser. In der Nacht hatte es gefroren. Die raue Winterluft prickelte in der Nase. Ich…

Weiterlesen Weiterlesen

O Tannenbaum

O Tannenbaum

Der Tag hatte böse angefangen. Schon am frühen Morgen hatte nichts geklappt. Manchmal wird ein Tag, der schlecht begonnen hat, im Lauf der Stunden noch ganz erträglich. Diesmal aber wurde es immer schlimmer. Der Abend schließlich versprach alles in den Schatten zu stellen. «Wir singen heute Abend ein Lied vor», sagte unsere Abteilungsleiterin Pia in der Nachmittagspause. «Gleich nach der Chef-Rede. Als Weihnachts-Überraschung für die Kollegen.» Vor Schreck kippte ich mir den Kaffee auf den Rock. War das ihr Ernst?…

Weiterlesen Weiterlesen

Eine Dialogszene schreiben, Teil 2

Eine Dialogszene schreiben, Teil 2

Nachdem mir die erste Dialogszene viel Mühe bereitet hatte, schrieb ich gleich eine zweite. Die Idee dazu hatte ich schnell; die Umsetzung ging mir aber etwas weniger leicht von der Hand. Die Aufgabe lautete: Ein Anrufer will eine dringende Nachricht überbringen und merkt erst nach einigen Minuten, dass er sich offenbar verwählt hat. Hier ist meine Fassung. Meine Wut über die erste Dialogszene ist hier wohl mit eingeflossen.   Gibt’s denn heute keine Ruhe? Mein Handy vibriert wieder. Eine unbekannte…

Weiterlesen Weiterlesen

Eine Dialogszene schreiben, Teil 1

Eine Dialogszene schreiben, Teil 1

Vorwort Im 6. Lernheft des Grundkurses ging es um Dialoge. Die Übungen dazu fielen mir ungeheuer schwer. Ich musste eine Dialogszene zu einer vorgegebenen Situation schreiben, Umfang ca. eine Seite. Die erste Situation war: Ein sehr schüchterner junger Mann macht seiner Freundin einen Heiratsantrag. Er lispelt. Ich habe Stunden damit verbracht, mir diese Szene auszudenken, und kam erst dann auf einen grünen Zweig, als ich schon die ganze Geschichte von Verena und Marco gesponnen hatte. Das Ergebnis, nämlich die gefragte…

Weiterlesen Weiterlesen