Ich als Leserin

Ich als Leserin

Und wieder so eine Übung aus dem Lernheft, die mich zum Nachdenken bewegt, was ja auch der Sinn ebendieser Übung ist. Man soll sich selbst als Leser beschreiben und eigene Lesegewohnheiten und -präferenzen festhalten – damit man in einem Jahr beurteilen kann, ob man als Autor den gleichen Neigungen folgt.

Bin gespannt.

 

Was ich gern lese

(In Klammern steht die bevorzugte Lesesprache, kursiv sind Übersetzungen markiert. Mit * sind Romane vermerkt, die ich immer und immer wieder lese. Sollte ich bis ans Lebensende auf eine Robinson-Insel verbannt werden und dürfte ich Bücher mitnehmen, würde ich diese Romane als Erstes einpacken.)

Also, los geht’s:

  1. Generationenromane, Familienromane (sie müssen lang und ausführlich sein)

    • Leo Tolstoi, «Krieg und Frieden»* (Ru) und «Anna Karenina»* (Ru, bin gespannt auf die neue deutsche Übersetzung von Rosemarie Tietze, die ich mir zu Weihnachten wünsche)
    • John Galsworthy, «The Forsyte Saga»* (Ru oder De)
    • Theodor Fonatne, «Der Stechlin» (De)
    • Sarah Lark, Romane über Familien in Neuseeland (De)
  2. Romane, in denen es um den Sinn des Lebens und die Ewigkeit geht, gern wehmütig

    • Michail Bulgakow, «Der Meister und Margarita»* (Ru, die deutsche Übersetzung gibt in meinen Augen den Geist des Romans leider nicht wieder)
    • Andreas Brandhorst, «Kinder der Ewigkeit»* (De)
    • Robert A. Heinlein, «The Door into Summer»* (Ru, En), «Orphans of the Sky»* (Ru, En)
  3. Schicksalsromane, gern mit sozialer Thematik, im nationalen oder geschichtlichen Kontext

    • Alexandre Dumas, «Der Graf von Monte Christo»* (Ru)
    • Jojo Moyes, «Ein ganzes halbes Jahr» (De)
    • James Bowen, Geschichten über Bob den Kater (De)
    • Mark Haddon, «The Curious Incident of the Dog in the Night-Time» (En)
    • Susan E. Hilton, «The Outsiders» (En)
    • Jonas Jonasson, «Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand» (De)
    • Mikael Bergstrand, «Der 50-Jährige, der nach Indien fuhr und über den Sinn des Lebens stolperte» (De)
    • Per J. Andersson, «Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um seine große Liebe wiederzufinden» (De)
    • Alina Bronsky, «Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche» (De)
    • Daniel Kehlmann, «Die Vermessung der Welt» (De)
  4. Science Fiction, am besten im Stil einer großangelegten Space-Opera:

    • Isaac Asimov, der Foundation-Zyklus* (De, Ru)
    • Andreas Brandhorst, der Kantaki-Zyklus* (De)
    • Andre Norton, der Solar-Queen-Zyklus* (Ru, En)
  5. Schräge, unmögliche Geschichten, die die gesellschaftlichen Grundsätze hinterfragen und zum Nachdenken anregen

    • Michail Bulgakow, «Hundeherz»* (Ru)
    • Daniel Kehlmann, «F» (De)
  6. Romane über Familiengeheimnisse, am liebsten kombiniert mit Elementen eines Generationsromans:

    • Kate Morton, «Die verlorenen Spuren» (De)
    • Kimberley Wilkins, «Das Haus am Leuchtturm» (De)
  7. Krimis, kombiniert mit

    • Schiksalsromanen: Alexandra Marinina (Ru), Boris Akunin (Ru)
    • Charakterzeichnungen: Agatha Christie (Ru)
    • historischen Begebenheiten: Boris Akunin (Ru), Wilkie Collins (Ru)
    • Humor: Ioanna Chmelewskaja (Ru)
    • Action: Dan Brown, «Sakrileg» (De)
  8. Serienromane oben erwähnter Kategorien

  9. Unterhaltungsromane, die kurzweilig und schmissig geschrieben sind, auch wenn der Inhalt seicht ist (was aber nicht zwangsläufig der Fall sein muss)

    • Kerstin Gier, «Für jede Lösung ein Problem» (De)
    • Tommy Jaud, «Hummeldumm» (De)
    • Monika Peetz, «Die Dienstagsfrauen» (De)
    • Marie-Sabine Roger, «Heute beginnt der Rest des Lebens» (De, wunderbar übersetzt aus dem Französischen von Claudia Kahlscheuer)

Und sonst

  • Klassische Literatur immer gerne, allein wegen des Lesespaßes, aber bitte im Original, das bedeutet, dass ich mich hierzu auf die deutsche und russische Klassik beschränken muss.
  • Kurzgeschichten auch gerne, vor allem von Anton Tschechow. Aber lieber doch etwas Längeres, da mir Figuren oft ans Herz wachsen und ich mich von ihnen so bald nicht wieder trennen mag.
  • Sachbücher, von Ratgebern bis Studien, es kommt auf den Sinn und den Ton an. Ein schönes Beispiel ist Oliver Sacks‘ «Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte» – eine Beschreibung schwerwiegender neuronaler Schäden, die trotzdem etwas Lebensbejahendes hat.
  • Keine Lyrik, Puschkin und Shakespeare haben schon alles gedichtet, was gedichtet werden musste.
  • Keine intellektuellen Romane, überhaupt nichts, was sich mit dem Prädikat «intellektuell» zu schmücken sucht. (Ich werde nämlich den Verdacht nicht los, dass die vermeintliche «Intellektualität» nur ein Loch stopfen soll, wo etwas fehlt.) Tolstojs oder Fontanes Romane brauchen sich schließlich auch nicht als «intellektuell» zu bezeichnen. Zum Glück.

Mein Ziel

Alles, was mich interessiert – Geschichte, Psychologie, Medizin, andere Kulturen, technischer Fortschritt, Zukunft – interessiert mich nur, sofern es sich im Werdegang, Leben und Handeln konkreter Menschen widerspiegelt. Ob es dabei um Arme oder Reiche geht, um Prinzessinnen oder Putzfrauen, Akademiker oder Hilfsarbeiter, ist mir unwichtig. Jeder Mensch ist interessant, jeder hat seine einzigartige Geschichte, seine innigsten Wünsche, seine Leichen im Keller, jeder macht auf seine Art das Beste aus den Umständen. Ich bewundere Menschen, die mit Schicksalsschlägen fertig werden und sich nicht unterkriegen lassen. Ich habe Verständnis für Menschen, denen es irgendwann zu viel wird, die keine Kraft mehr aufbringen im Kampf gegen die Widrigkeiten des Lebens. Ich jubele Menschen zu, die sich am Leben freuen und die Welt jeden Tag ein bisschen besser machen, und sei es nur durch ein Lächeln. Der menschliche Geist ist das, worauf es ankommt, und genau diese Idee möchte ich in den Mittelpunkt meiner Werke setzten.

Meine Ansicht

Manche Forscher und Philosophen, wie z. B. Yuval Harari («Sapiens, A Brief History of Humankind», «Homo Deus, A Brief History of Tomorrow») behaupten, der menschliche Geist sei nur ein Nebenprodukt des funktionierenden Körpers, wie etwa Lärm ein Nebenprodukt eines arbeitenden Motors ist. So gesehen ist der Geist überflüssig, ein weißes Rauschen im Weltall, und gerade das reizt mich. Meint man, sich mit wichtigen Dingen zu beschäftigen, läuft man Gefahr, sich selbst und das eigene Tun zu überschätzen, und versucht verbissen, etwas für die Ewigkeit oder zumindest für die Nachwelt zu schaffen, eine Spur in der Geschichte zu hinterlassen. Selbstverständlich steht es jedem frei, sich wichtig zu nehmen – aber ich mache bei diesem Spielchen nicht mit. Lieber befasse ich mich mit dem flüchtigen Nebengeräusch der menschlichen Existenz und schaffe noch mehr von diesen wunderbar kurzlebigen Fluktuationen und Schwingungen. Der einzige Kosmos, den ich erforschen kann, ist der Mikrokosmos meiner Fantasie, die einzige Ewigkeit, die mir zur Verfügung steht, ist der jetzige Augenblick.

Das passt. Ich schreibe ja für die Katz.

 

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