Eine Dialogszene schreiben, Teil 2

Eine Dialogszene schreiben, Teil 2

Nachdem mir die erste Dialogszene viel Mühe bereitet hatte, schrieb ich gleich eine zweite. Die Idee dazu hatte ich schnell; die Umsetzung ging mir aber etwas weniger leicht von der Hand.

Die Aufgabe lautete:

Ein Anrufer will eine dringende Nachricht überbringen und merkt erst nach einigen Minuten, dass er sich offenbar verwählt hat.

Hier ist meine Fassung. Meine Wut über die erste Dialogszene ist hier wohl mit eingeflossen.

 

Gibt’s denn heute keine Ruhe?

Mein Handy vibriert wieder. Eine unbekannte Nummer. Gibt’s denn heute keine Ruhe?

«Lehner.» Mit der linken Hand blättere ich im Ordner mit den Steuerunterlagen weiter.

«Hier ist Giantomaso, guten Tag», bellt es aus dem Hörer. Ich halte das Handy etwas weiter vom Ohr. «Ich bin der Mathematiklehrer Ihres Sohnes. Ich muss mit Ihnen dringend sprechen. Geht es Ihnen jetzt?»

«Ähm, ja, es geht schon. Guten Tag, Herr…» Wie heißt er nochmals? Fantomaso? Pah! Der braucht keinen Spitznamen. Unser Mathematiklehrer an der Schule, der hieß Herr Barsch. Er hielt uns für strohdumm, machte absichtlich schwere Geometrieprüfungen, die niemand von uns lösen konnte, und verkündete dann genüsslich die schlechten Noten. Wir nannten ihn Herr Arsch.

«Es geht um die Geometrieprüfung von letzter Woche, die sehr schlecht ausgefallen ist. Dabei war sie gar nicht so schwer, verstehen Sie?»

Nicht so schwer? Das kennen wir.

«Ja, sicher, ich verstehe, Herr A… ähm, Herr Fantomaso…»

«Das war eine wichtige Prüfung, denn was wir jetzt durchnehmen, ist Maturastoff.»

Maturastoff schon im Untergymnasium? Das ist doch übertrieben.

«Mehr als die Hälfte der Klasse war ungenügend», zetert Fantomaso, «und Ihr Sohn hatte die schlechteste Note von allen. Er muss die Prüfung wiederholen.»

Was? Jan war der Klassenschlechteste? Oh mein Gott…

«Verstehen Sie mich richtig, ich könnte die schlechte Note ja auch stehen lassen. Das würde aber die Zeugnisnote runterdrücken, und das wäre nicht ratsam, jetzt, ein Jahr vor der Matura, also muss Kevin…»

«Kevin? Ein Jahr vor der Matura? Von wem reden Sie denn?»

«Na, von Ihrem Sohn! Sie sind doch Frau Eller?»

«Nein! Ich heiße Lehner.»

«Das hätten Sie ja gleich sagen können», schnauzt Fantomaso. «Ich muss mich verwählt haben. Auf Wiederhören.»

«Auf Nimmer-Wiederhören, du Fantomasoarsch!», fauche ich in das tüt, tüt, tüt.

 

Facebooktwittermail

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .