Schreiben für die Katz

Schreiben für die Katz

«Netzwerken in den sozialen Plattformen ist ein Muss für alle, die schreiben – und ihr Buch veröffentlichen und verkaufen wollen», las ich eines schönen Tages in TextArt, dem Magazin für kreatives Schreiben.

Hm.

Schreibe ich? Ja. Jedenfalls bin ich daran, es zu lernen.

Will ich mein Buch veröffentlichen und verkaufen? Klar.
Ich habe zwar noch keins geschrieben, aber das macht nichts. Ich will es trotzdem verkaufen.

Also, nichts wie los! Augen zu und ab in die unergründlichen Tiefen sozialer Plattformen.

Nach einer vierwöchigen Bedenkzeit (was für mich ungewöhnlich, ja sogar erschreckend kurz war) entschied ich mich für einen eigenen Blog, in der Hoffnung, der Pflicht regelmäßigen Postens gerecht zu werden. Schließlich muss ein Autor, der einen Vertrag mit einem Verlag hat, seine Manuskripte regelmäßig und termingerecht einreichen. Das kann ich jetzt schon üben, denn das will ich unbedingt, ich meine, als Autorin unter Vertrag stehen. Es muss genauso schön sein, wie es sich anhört. Erst mit einem Autorenvertrag ist man ein ganzer Schriftsteller.

Weitere vier Wochen verbrachte ich mit Lesen diverser Ratgeber zum Bloggen. Jetzt weiß ich übers Bloggen alles, nämlich, dass es kompliziert ist. Naja. Ich werde es trotzdem tun. «Wenn du auf eine einzige Charaktereigenschaft reduziert werden müsstest, dann wäre das deine dickköpfige Sturheit», hatte mein Vater einmal zu mir gesagt. Diese Charakterisierung hatte mir im Leben ungemein geholfen, mal als Rechtfertigung meines Eigensinns, mal als Ansporn zum Überwinden von Schwierigkeiten. Ich greife jetzt einmal mehr auf diese Tugend zurück, vielleicht nützt sie mir etwas in Sachen Autorenvertrag.

Die Blogger-Ratgeber stellten mich vor eine überraschende Frage: Wie soll mein Blog heißen? Daran hätte ich nie einen Gedanken verschwendet, aber anscheinend geht heutzutage nichts ohne Namen. Ich verreiste auf die Kapverdischen Inseln und grübelte den ganzen Urlaub über die Namensgebung, überzeugt, dass mir in diesem Ozeanparadies unter afrikanischer Sonne der einzige richtige Name für meinen Blog schon in den Sinn kommt.

Der einzige richtige Name erwies sich als bockig. Er wollte mir partout nicht einfallen. Ich grübelte und grübelte, prüfte jede Wortkombination. Wie wäre es zum Beispiel mit «Ich lerne schreiben?» Erinnert an die Grundschule, und das muss nun wirklich nicht sein.

«Ich werde Schriftstellerin»? Ein kleines bisschen zu direkt und irgendwie witzlos. Nicht dass ich grundsätzlich witzig wäre, nein, aber so todernst ist das Ganze ja auch wieder nicht.

«Luisas kleine Schreibstube»? Jawohl. Dann braucht es noch «Luisas feine Backstube» und «Luisas bunte Bastelecke». Bäh.

Stundenlang starrte ich in das Türkis des Atlantiks und wartete auf eine Eingebung, denn Türkis soll die Kreativität fördern.

Nach zwei Urlaubswochen hatte ich nicht die geringste Ahnung, wie ich mein großartiges neues Projekt betiteln soll. Dass es großartig wird, bezweifelte ich keine Sekunde, nur ein würdiger Name wollte mir nicht einfallen. Der Atlantik mit all seinem vielversprechenden Türkis hat mich im Stich gelassen und sich aus der Namenssuche herausgehalten. So gemein.

Zu Hause beklagte ich mich bei meinen Katzen Ursus und Saphira wortreich über den Atlantik, der meinen Blog und somit auch meinen Autorenvertrag untergraben hatte. Ursus meinte, ich solle um etwas derart Unbedeutendes kein Tamtam machen und ihm stattdessen lieber Leckerlis werfen. Was für eine Enttäuschung. Der Miesepeter, den ich für den schönsten Kater der Welt gehalten hatte, steckte mit dem verräterischen Atlantik unter einer Decke. Saphira dagegen hörte mir mit Engelsgeduld zu und schnurrte aufmunternd. In tiefster Dankbarkeit drückte ich sie ganz fest an meine Brust und flüsterte: «Mein allerliebstes graues Plüschtierchen, du bist meine einzige wahre Freundin. Ich werde in meinem Blog viele wunderbare Geschichten schreiben, nur für dich allein. Versprochen.»

Versprechen muss man bekanntlich halten. Und so sitze ich da und schreibe – für die Katz.

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