Katzenjammer

Katzenjammer

Die ersten fünf Monatshefte meines zweijährigen Fernlehrgangs schaffte ich jeweils in durchschnittlich drei Wochen. Yuppie! Mein Ziel war es, den Lehrgang trotz zweimonatiger Australienpause rechtzeitig zu beenden.

Dann stockte es. Die endlosen Schulferien, die immer wieder dazwischen kamen, zerfetzten meinen Zeitplan. In den fünf Wochen Sommerferien kam ich zu absolut nichts, außer überall herum zu reisen. Kaum hatte ich mich Mitte August in meinem Lern- und Schreibrhythmus wieder eingefunden, folgten Schlag auf Schlag je zwei Wochen Herbst-, Weihnachts- und Winterferien. Unverschämt.

Als Lehrerin zählte ich die Wochen bis zu den nächsten Ferien in freudiger Erwartung. Jetzt tue ich das auch – griesgrämig und verbittert. An manchen Tagen laste ich dem übertriebenen Erholungsdrang von Lehrenden und Lernenden die Schuld für die Misere an, in der unsere Welt steckt. Wie kann man den Kindern etwas beibringen, wenn man vor lauter Ferien nicht zum Unterrichten kommt? Mein schulpflichtiger Sohn beklagt sich zwar nicht über zu lange Ferien und zu wenig Lernstoff, in seiner Darstellung ist es eher umgekehrt. Doch mir gehen die ständig wiederkehrenden Schulferien gehörig auf die Nerven. Könnte man nicht einmal acht, oder noch besser zwölf Monate am Stück in die Schule gehen? So käme ich mit meinen Schreibprojekten – ja, es sind mehrere! – endlich voran. Wenn mein Sohn zu Hause ist, kann ich mich nicht aufs Schreiben konzentrieren, und aufs Lesen auch nicht wirklich. Ich nehme dann Termine wahr, gehe mit meinem Sohn Kleider kaufen und mit meinem Mann essen, grabe im Garten herum, räume auf, schlafe bis zwölf Uhr mittags und – schwuppdiwupp! – sind zwei Wochen meines Lebens im Nichts verschwunden. Während der Ferien fiebere ich dem Schulbeginn entgegen mehr als ich früher den Ferien entgegen gefiebert habe.

In den letzten Wochen konnte ich aufatmen. Zwischen Winter- und Frühlingsferien liegen in diesem Jahr zehn Wochen. Herrlich! Ich bin wie wild am Lernen, damit ich meine anfängliche Leistung, ein Heft in drei Wochen, wiedererlangen kann.

Beim letzten Heft klappte es. Ich hatte weniger Mühe mit Lernen als auch schon und schaffte den Theorieteil in sage und schreibe drei Tagen. Weitere zweieinhalb Wochen feilte ich an der Einsendeaufgabe herum. Aus der vorgegebenen Anfangssituation entwickelte ich drei Sujets, die mir alle gefielen: eine Schnulze, eine schräge Story und eine Geschichte aus der Innenwelt eines Menschen. Die letztere schickte ich an meine Studienleiterin. Nun warte ich auf ihre Reaktion und bin auf eine vernichtende Kritik gefasst, was meine Selbstzufriedenheit allerdings nicht schmälert. Ich rechne nicht damit, dass mir das Schreiben auf einmal gelingt, es reicht schon, dass es mir Riesenspaß macht. Da bleibe ich demütig und schwinge mich nicht so hoch in meinen Erfolgsfantasien.

Nun will ich in knapp zwei Wochen, die mir noch bis zu den nächsten Ferien bleiben, das nächste Heft bearbeiten. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, denn es geht um Krimis, und da lässt mich meine Fantasie im Stich. Allerdings scheint mir das, verglichen mit unaufhaltsam herannahenden Schulferien, das kleinere Übel zu sein.

1. April 2017

 

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