Ich lerne beobachten

Ich lerne beobachten

Ein Herbstmorgen.

Die Straßen und Wege fast menschenleer, alle sind wohl am Arbeiten, nur wenige Autos fahren herum.

Eine junge Frau auf dem Fahrrad, nur mit T-Shirt bei 15 Grad, mit roten Backen – kein Wunder! Groß, schlank, in hellen Schlagjeans und einem lavendelfarbenen T-Shirt, grüßt sie mit einem Lächeln.

Ein „hässliches Entlein“ in einem klassischen Violett, herausgeputzt, aber ohne Schnickschnack, biegt aus unserer Seitenstraße in die Hauptstraße ein, macht überraschend wenig Lärm. Am Steuer sitzt ein älterer,  aber noch schlanker Mann mit einem grauen Bürstenschnitt und einer Brille in dünner Metallfassung.

Eine Frau mit einem Hund, beide blond, klein, mit weichen Konturen, schlank und unspektakulär.

Ein Mann mit Dreitagesbart und Sonnenbrille, später noch einer.

Eine ältere Frau in einem dicken roten Fleecepulli fährt mit einem Elektrofahrrad mit ehemals pinkfarbenen, ausgebleichten Satteltaschen, zügig Richtung Stadt.

Ein Servicetechniker werkelt am geöffneten Billetautomaten an der Bushaltestelle.

Die S-Bahn hält nicht, bremst kurz ab und fährt vorbei.

Eine junge Eiche mit fast aprikosengroßen hellgrünen Eicheln, eine andere nebenan fast ohne Früchte.

Viele Beeren überall, Vogelbeeren in Fülle, hell-orangefarben, sie sollen noch ganz rot werden im Winter. Andere Beeren, blau-violett bis schwarz, deren Bezeichnung mir unbekannt ist.

Ein junger blonder Handwerker sitzt in einem weißen Pick-up mit Firmenlogo  und tippt auf seinem Handy herum.

Zuerst ist es kalt, aber die Sonne kommt bald hinter den Wolken hervor und entwickelt schnell eine sommerliche Strahlung, die Wolken verziehen sich allmählich Richtung Süden.

Die indonesisch anmutenden Gräser und Bambusstauden an den neuen Häusern sehen nach Entspannung und Urlaub aus.

Eine müde und abgespannte Mutter kommt mit einem Kinderwagen mit zwei Kindern darin aus den neuen Häusern gerannt, blickt die Straße entlang und geht schnellen Schrittes zum Bahnhof.

Eine jüngere und besser ausgeschlafen wirkende dunkelhaarige Frau mit einem runden Gesicht und dunklen, mit Kajalstift nachgezogenen Augen geht mit ihren Kindern offensichtlich spazieren, das kleine Mädchen sitzt im Kinderwagen, ihr Bruder, etwa dreijährig, mit Helm, Weste und Cordhose, auf dem Laufrad.

An einigen Häusern duftet es nach Pflanzen und Blumen, und an einem Haus riecht es nach Mittagsbraten.

Die Kirchturmglocke schlägt halb zehn.

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